Kategorie: Deutschland

Infektionsrisiko Lagerzwang

Geflüchtete aufgebracht: Ansteckungsgefahr in bayerischen Sammelunterkünften enorm.

Die Polizei passte penibel auf, dass Masken getragen und 1,5 Meter Abstand gehalten wurden, als knapp 150 Protestierende am Freitag in München vor den Sitz der Regierung Oberbayerns zogen. »Hier achtet die Polizei genau auf das Einhalten der Mindestabstände, aber in den Geflüchtetenlagern …« – Samba von der Gruppe »Refugee struggle for freedom« ist aufgebracht: »Da werden teilweise positiv getestete Geflüchtete zusammen mit gesunden Menschen in das gleiche Zimmer gesperrt!« Bundesweit haben sich viele Lager zu Brennpunkten der Coronavirusinfektion entwickelt. Die Gesundheitsämter gaben zwar die Anweisung, infizierte Geflüchtete separat unterzubringen und getrennte Sanitäranlagen zur Verfügung zu stellen, aber in vielen Lagern Bayerns findet dies offenbar nicht statt. Samba erzählt, dass in Neumarkt in der Oberpfalz positiv getestete Flüchtlinge in einen Container mit bisher nicht infizierten Menschen gesteckt werden. Vor allem in Gemeinschaftsunterkünften oder Kurzzeitaufnahmen, von denen aus die Geflüchteten auf andere Lager verteilt werden sollen, ist die Situation beängstigend. Die Anweisung des Innenministeriums, die Belegung zu »entzerren«, scheint hier oft nicht umgesetzt zu werden.

Reportage: Das »weiße Gold«

Spargel muss auch in Coronazeiten aus der Erde. Beim Großbauern treffen Studierende auf osteuropäische Erntehelfer. Ein Besuch in Vetschau.

Plötzlich wird das Scheppern leiser. Die Stöße, die die jungen Menschen auf den Bierbänken mal nach links oder rechts schleudern lassen, werden schwächer, und eine riesige Staubwolke steigt hinter dem Planwagen auf, als er auf die sandige Piste im Plastikmeer biegt. Der Staub steigt in Augen, Mund und Nase. Die Studierenden, die ganz hinten aufsitzen, fangen an zu husten. Fast keiner der 30 eng aneinander Gedrängten trägt hier eine Atemmaske, die allein schon gegen den Staub hilfreich wäre. Als sich die Wolke legt, stolpern die jungen Frauen und Männer kurz vor Ostern aus dem Anhänger und schauen sich verunsichert an ihrem neuen Arbeitsplatz um. Das Feld wirkt riesig. Die weißen Wogen des Plastikmeeres strecken sich dicht an dicht gen Horizont. Auf der anderen Seite sind kleine schwarze Punkte zu sehen. Eine Erntebrigade rumänischer Arbeiter, die gerade eine neue Reihe beginnt. »So, jeder nimmt sich ein Messer, ein Paar Handschuhe, einen Damm, und dann ran an den Spargel!«