Autor: Simon Zamora Martin

Fahrern in die Speichen greifen

Die Stimmung vor dem Estrel-Kongresszentrum in Berlin-Neukölln war angespannt. Zwei junge Rider – so nennen sich die Fahrradkuriere des Onlinesupermarktes Gorillas – probierten am Donnerstag einer Gruppe von knapp 50 leitenden Angestellten das Betriebsverfassungsgesetz zu erklären. Die Betriebsversammlung zur Wahl des Wahlvorstandes stünde Beschäftigten offen, aber keinen leitenden Angestellten. Eine Frau im blauen Sommerkleid versuchte die ausgeschlossenen Leitungskräfte zu organisieren. Sie war besonders empört: »Ich bin auch Gorillas-Arbeiterin!« Doch eine E-Mail, die von besagter »Gorillas-Arbeiterin« stammen soll, wurde signiert mit »Special Project Management CEO«.

Die Zeit läuft

Gestern beklatscht, heute vergessen: Der Frust unter Krankenhausbeschäftigten ist groß und trieb am Mittwoch, dem »Tag der Pflege«, hierzulande viele Beschäftigte auf die Straße. Die größte Kundgebung fand in Berlin vor dem Roten Rathaus statt. »Die Zeit des Meckerns ist vorbei«, sagte Krankenpfleger Thomas Pottgießer im jW-Gespräch. »Jetzt stellen wir mit der ›Berliner Krankenhausbewegung‹ dem Senat ein Ultimatum von 100 Tagen.« 100 Tage, in denen die Beschäftigten einen Abschluss von zwei Tarifverträgen fordern: für die Pflege einen Tarifvertrag Personalbemessung und eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) für alle Krankenhausbeschäftigten.

Interview: »Dieser pure Hass ist unerträglich«

Über die Schwierigkeit, selbstbestimmt einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu

Angesichts der Diagnose, ein Kind mit schwerer Behinderung zu bekommen, haben Sie vor kurzem in der 25. Woche einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Wie geht es Ihnen jetzt?

Seltsam. Aljoscha war ja ein Wunschkind. Ich hatte schon mein ganzes Leben umgestellt, und jetzt stehe ich hier, und irgendwie fühlt sich alles an wie vor einem Jahr. Aber es ist nichts so, wie es war – eine surreale Situation.

Wie ist es zu dem Abbruch gekommen?

Da ich selbst eine Behinderung habe, wurde ich zur Pränataldiagnostik geschickt. Ich bin da eigentlich sehr ruhig rangegangen…