Reportage: In den eigenen Händen
Noch immer thront der "Nischel" in der Chemnitzer Innenstadt vor dem ehemaligen Regierungssitz des DDR-Bezirkes Karl-Marx-Stadt. (Foto: SZM)

Reportage: In den eigenen Händen

Immer noch steht er an seinen angestammten Platz, »dor Nischel«. Das Wahrzeichen von Chemnitz: das Monument mit dem riesigen Kopf von Karl Marx. In Souvenirlädengibt es ihn als Schlüsselanhänger, Flaschenöffner und Miniaturbüsten zu kaufen. Auch die Flaschen eines Lokalbieres sind mit dem »Nischel« – das sächsische Wort für Kopf – geschmückt. Trotz mehrerer Versuche, die zweitgrößte Porträtbüste der Welt in den Westen zu verkaufen, steht sie als Wahrzeichen im Zentrum der Stadt, die von 1953 bis zur »Wende« als Karl-Marx-Stadt in den Atlanten zu finden war. Nicht mehr vorhanden sind die Juwelen der ehemaligen Industriestadt, welche in Blickrichtung von Marx keine zwei Kilometer entfernt in der Zwickauer Straße wie an einer Perlenkette aufgereiht lagen: Union, Heckert, VEB 8. Mai ... Nachdenklich schaut Gert Sczepansky auf den Nischel. Bilder seines Lebens ziehen an ihm vorbei. Am Gebäude hinter dem Monument prangt noch in metallenen Lettern Marx’ »Proletarier aller Länder vereinigt euch«…

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Feature: Die Nazis, die ich rief…
Demonstration von AfD, PEGIDA und Pro Chemnitz am 1.9.2018. Foto: Simon Zamora Martin

Feature: Die Nazis, die ich rief…

AfD und Nazi-Hools verschmelzen in der früheren Karl-Marx-Stadt. Tausende stellen sich ihnen entgegen. Doch Neoliberale und Konzerne wollen das vereinnahmen. Chemnitz am Samstag: Nazi-Tattoos, T-Shirts und Gespräche der Teilnehmer*innen des rechtsextremen „Trauermarsches“ bestätigten wieder, dass es sich nicht nur um „besorgte Bürger*innen“ handelt, sondern zu einen beachtlichen Teil auch um organisierte Neonazis. Die Jagden auf Linke und Migrant*innen, zu denen es auch Samstag Nacht wieder kam, sind schrecklich. Nachdem der rechte „Trauermarsch“ gegen Migrant*innen nach nur 300 Metern von der Polizei beendet wurde, gingen rund 1.000 gewaltbereite Nazis und Hooligans an den Polizeiketten vorbei und schwärmten in kleine und größere Gruppen durch die Innenstadt. Glasflaschen und Feuerwerkskörper flogen auf linke Gegendemonstrant*innen. Nicht-weiße Menschen wurden von Nazigruppen angegriffen. Unter dem Karl-Marx-Denkmal rief ein kahlgeschorener Vierjähriger aus seinem Kinderwagen „Heil Hitler“...

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