Reportage: Falsche Versprechen
Früher kam Agnés Canyigueral gerne nach ihrer Frühschicht am Samstag an diesen Platz, um den Blick über Meer und Berge zu genießen. Heute mischt sich der Genuss mit dem mitteren Geschmack der Sorgen, wie sie ihne Kurzarbeitergeld über die Runden kommen soll.

Reportage: Falsche Versprechen

Rauh ist das Mittelmeer der Costa Brava in den ersten Wintertagen. Weiße Schaumkronen tragend, rasen die Wellen Richtung Küste, um sich tosend an den Felsen zu brechen. Angefacht vom Tramontana, jenem kalten und gefürchteten Wintersturm, der aus Norden von der anderen Seite der Pyrenäen kommt. »Vom Tramontana berührt« ist eine zärtliche Redewendung in Katalonien, um auszudrücken, dass eine Person nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Doch dieses Jahr lässt nicht der Tramontana die Leute verrückt werden, sondern die zweite Welle der Coronaviruspandemie. Gedankenversunken blickt Agnés auf die gen Land rollenden Wogen. Hier, wo Meer und Berge aufeinandertreffen, sucht sie ihren Frieden, in den pilzreichen Küstenwäldern findet sie etwas Geborgenheit in diesen beängstigenden Zeiten. »Das ist ein großer Unterschied zum Shutdown der ersten Coronawelle. Wir dürfen uns wenigstens tagsüber in unserem Landkreis bewegen.« Doch die existentiellen Sorgen sind so groß wie damals. Es ist ungewöhnlich schön, dass die Costa Brava…

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Interview: »Der einzige Weg, Druck auszuüben, ist der Streik«
In der Poliklinik von Sant Feliu de Guíxols wird ein Krebs-Patient versorgt. Viele andere Therapien wurden ausgesetzt, was auch ein Grund für die vielen schweren COVID-19-Verläufe ist. (Foto: SZM)

Interview: »Der einzige Weg, Druck auszuüben, ist der Streik«

Sie haben 30 Jahre lang in der Epidemiekontrolle und beim Aufbau öffentlicher Gesundheitssysteme in Afrika und Lateinamerika gearbeitet. Seit dem Ausbruch von Covid-19 sind Sie als Epidemiologin für das katalanische Gesundheitsamt tätig. Wie bewerten Sie den Kampf gegen die Pandemie im spanischen Staat? In der Vergangenheit habe ich immer in Ländern mit begrenzten Ressourcen gearbeitet und gegen Epidemien und vergessene Krankheiten wie Cholera, Malaria, HIV oder Meningitis gekämpft. Ich bin verblüfft, dass im spanischen Staat die vielen zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht auf die Stärkung des Gesundheitssystems, vor allem auf die Primärversorgung konzentriert werden. Die Regierung scheint die Coronapandemie mit politischen statt wissenschaftlichen Mitteln bekämpfen zu wollen. Was halten Sie von den politischen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie? Viel wichtiger, als mit Ausgangssperren und Lockdowns die Ansteckungsgefahr zu senken, wäre es, sich auf die Reduzierung der Sterblichkeit zu konzentrieren! Gesunden Kindern und Jugendlichen passiert nichts. Die überwiegende Mehrheit der…

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